Facing Britain
Britische Dokumentarfotografie seit den 1960er-Jahren
04 09 21
09 01 22

Nicht erst seit dem Brexit nimmt das Vereinigte Königreich in Europa eine Sonderrolle ein. Neben die geografische trat mit dem Vollzug des EU-Austritts am 31. Januar 2020 auch eine politische und emotionale Distanz. In ‹Facing Britain›, einer umfangreichen Gesamtschau britischer Dokumentarfotografie seit den 1960er-Jahren, kommen wir dem Inselstaat vermittelt durch die Linsen von 48 britischen Fotografinnen und Fotografen jedoch ganz nah.

Die Ausstellung in der Kunsthalle Darmstadt versammelt rund 250 Fotografien aus 60 Jahren und ermöglicht damit einen einzigartigen Überblick über Geschichte und Gegenwart der britischen Dokumentarfotografie. Längst vergessene oder erst in den letzten Jahren wiederentdeckte Positionen wie jene von John Myers, Tish Murtha oder Peter Mitchell werden neben Arbeiten von Weltstars wie Martin Parr und David Hurn gezeigt.

Als fulminante Bilderschau gleicht ‹Facing Britain› einem Kaleidoskop, das neben so banalen wie kurios-sympathischen Alltagsszenen auch politisch brisante Ereignisse vor Augen führt: Ascot trifft auf Belfast, der Falkland-Krieg auf intime Momente in britischen Wohnzimmern. Wo die Grenzen des Dokumentarischen verschwimmen, treten Aspekte der künstlerischen oder Porträt-Fotografie zutage.

Mit ‹Facing Britain› konfrontiert uns Kurator Ralph Goertz (IKS, Düsseldorf) mit dem Antlitz einer vielteiligen Nation, die allen Gräben zum Trotz von Zuneigung, Menschlichkeit und Humor geprägt ist. Die Ausstellung ruft dabei in Erinnerung, was das Vereinigte Königreich seit seinem ersten Beitrittsgesuch zur Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft im Jahr 1963 bis zu seinem Austritt aus der EU bewegte, aber auch, was seitdem fehlt.

Die Ausstellung war in einer kleineren Version 2020 bereits im Museum Goch zu sehen und reist 2022 nach Goslar und später nach Krakau. Sie versammelt in wechselnden Konstellationen Fotografien von insgesamt 15 Fotografinnen und 33 Fotografen.

Die Ausstellung in Darmstadt steht unter der Schirmherrschaft des Britischen Honorarkonsuls in Hessen, Dr. Andreas Fabritius.

Die Ausstellung in Darmstadt
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