Heide Stolz
Affären
13 09 20
24 01 21

Im Rahmen der 11. Darmstädter Tage der Fotografie zeigt die Kunsthalle Darmstadt mit ‹Heide Stolz. Affären› und ‹Zusammenleben. Joachim Brohm, Ute Mahler, John Myers› zwei Ausstellungen, die den Menschen auf je ganz eigene Weise in den Mittelpunkt stellen.

In den 1960er-Jahren schuf Heide Stolz im Umkreis der Münchner Avantgarde und der Galerie Heiner Friedrich ein wegweisendes fotografisches Werk, das – wie bei vielen Künstlerinnen ihrer Generation – erst seit wenigen Jahren (wieder)entdeckt wird. Die 11. Darmstädter Tage der Fotografie und die Kunsthalle Darmstadt zeigen in der von Stefan-Maria Mittendorf kuratierten Ausstellung ‹Heide Stolz. Affären› eine Auswahl von 62 ihrer Aufnahmen, darunter auch Arbeiten, die erstmals der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Inszenierung, Motive und Umsetzung wie auch das subversive Potenzial der Fotografien von Heide Stolz zeigen deutliche Anklänge an die surrealistische Ästhetik. Nicht weniger wichtig war für sie die zeitgenössische Bildproduktion, Kunst, aber auch Werbung und Kino. Heide Stolz adaptierte filmische Stilmittel wie starke Untersicht, offene Bildkompositionen mit Anschnitten sowie skurrile Perspektiven, welche die Betrachter nicht selten in voyeuristische Positionen bringen. Ein zentraler Bezugspunkt war für sie der zeitgenössische Action- und Westernfilm, dessen ästhetisierte Gewaltdarstellung und Bildinnovationen in zahlreiche ihrer Inszenierungen einflossen.

Heide Stolz’ fotografische Auseinandersetzung mit der Bildproduktion der 50er-und 60er-Jahre ist so ambivalent wie politisch. Insbesondere das konservative Frauenbild, das sich auf gefährlich subtile Weise in die Moderne hinübergerettet hatte, ist immer wieder Thema ihrer Arbeit. Ihre Bilder bleiben jedoch stets im Unklaren. Sie sprechen in Andeutungen, verwischen die Grenzen zwischen Schlaf und Tod, Hingabe und Gewalt, Täter und Opfer. Die inszenierten Fotografien der 1985 verstorbenen Künstlerin lassen dabei an die durchkomponierten Bilder von William Eggleston, Jeff Wall oder Cindy Sherman denken. Bereits Heide Stolz nahm dem fotografischen Bild seine vermeintliche Unschuld und damit Techniken der postmodernen Dekonstruktion der Fotografie vorweg.

Das Werk von Heide Stolz fand früh, aber nur vorübergehende Anerkennung, insbesondere 1965 durch eine Ausstellung in der Münchner Galerie Friedrich + Dahlem, die damals schon Künstler wie Cy Twombly und Georg Baselitz unter Vertrag hatte. Mit der Ausstellung ‹Heide Stolz. Affären› leisten die Kunsthalle Darmstadt und die 11. Darmstädter Tage der Fotografie einen Beitrag zur Erschließung dieses eindrucksvollen Werks, das noch heute berührt und mit seiner Modernität und aufklärerischen Wucht nichts an Aktualität eingebüßt hat.


Heide Uta Stolz wurde 1939 in Kupferzell geboren. In den 60er-Jahren lebt und arbeitet sie in München und Aschhofen. Nach dem Suizid ihres Mannes Uwe Lausen verlässt Heide Stolz München, kehrt 1970 mit den zwei Töchtern auf den gemeinsamen Hof in Aschhofen zurück. In den folgenden Jahren fertigt sie vorwiegend Kunstharzeinschlüsse und Buntstiftzeichnungen. Wie im Fall ihres bildhauerischen Frühwerks der 50er-Jahre sind heute jedoch nur wenige Originale dokumentiert oder erhalten. 1985 stirbt Heide Stolz in Aschhofen an einer Krebserkrankung.

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